Kindeswohl vs elterliche Autorität

Kind weint

Kinder müssen altertümliche Praktiken ausbaden

Der Beitrag, in dem eine Entscheidung des AG München samt folgender OLG Entscheidung thematisiert wurde, die ein Ordnungsgeld gegen die Mutter eines 2jährigen umgangsverweigernden Kindes beinhaltete, hat weite Kreise gezogen und viele Rückmeldungen mit sich gebracht. Hier nochmal zum nachlesen: KLICK

Gegen den Willen

Heute möchte ich dieses Vorgehen gegen ein Kleinkind erneut aufgreifen, anhand der Dissertation von Katharina Behrend aus dem Jahr 2009 mit dem Thema „Kindliche Kontaktverweigerung nach Trennung der Eltern aus psychologischer Sicht. Entwurf einer Typologie.“ die belegt, dass diese Entscheidung einer Rechtsprechung von vor über 100 Jahren gleicht.

Auszug: „[...] In einer Gerichtsentscheidung von 1908: „Es fragt sich nun, ob und inwiefern der personsorgeberechtigte Elternteil für eine Weigerung des Kindes verantwortlich zu machen ist. Hierbei fällt hauptsächlich der Umstand ins Gewicht, dass der Vater seinem Kind nicht etwa macht- oder willenlos gegenübersteht, sondern als Inhaber der elterlichen Gewalt, die ihm das Recht gibt, angemessene Zuchtmittel anzuwenden. Der Vater ist damit in der Lage, gegen das sich sträubende Kind seine elterliche Autorität geltend zu machen und dessen unberechtigten Widerstand zu brechen. Notfalls ist gerichtliche Hilfe zu beantragen.“ (Landgericht Aurich, Beschluss vom 23. Dezember 1908, RJA 37, S. 19 ff., zit. n. Parr, 2005, S. 36)
[...]
Solcher Umgang mit einem entgegenstehenden Kindeswillen war durchaus kein Einzelfall; er entsprach durchaus dem damaligen gesellschaftlichen Verständnis, wonach Kinder ihren Eltern bedingungslos untergeordnet waren. Von ihnen wurde unter allen Umständen Gehorsam und Respekt gegenüber den Eltern bzw. dem Erziehungsberechtigten erwartet. Falls Elternrecht und Kindeswille kollidierten, wurden deshalb schlicht Zwangsmittel angeordnet, um eine Einschränkung des Elternrechts zu vermeiden.“ […] S. 26

Link zum gesamten Text: KLICK

Behrend K. Kindliche Kontaktverweigerung nach Trennung der Eltern aus psychologischer Sicht : Entwurf einer Typologie. Bielefeld (Germany): Bielefeld University; 2009.


Auch, wenn die Autorin in manchen Kreisen sehr umstritten ist, da sie z.B. das Institut für lösungsorientierte Begutachtung leitet und Gutachter ausbildet, die ihrerseits wiederum zweifelhafte Gutachten erstellen, lässt sich aus ihrer Dissertation klar und deutlich erkennen, dass das Familiengericht in München sich mit seiner Entscheidung offenbar noch auf dem Stand von vor 100 Jahren befindet. Womit wir wieder beim Thema „Qualifikation und regelmäßige Fortbildungen“ der Beteiligen im Familienrecht, wie z.B. HIER schon aufgegriffen wurde, angekommen sind...

Richterfortbildungen sind nach wie vor Ländersache und eine verbindliche Qualifikationspflicht nicht einheitlich festgelegt. Unter anderem hier wurde das thematisiert: Familienrichter: überlastet und nicht ausreichend ausgebildet